Vor genau 65 Jahren, am 1. Mai 1945, wurde der Kantinenwirt Josef Hey vor dem Tor des Gutes Bellscheidt, heute am Breckhauser Weg nach Hösel, von Plünderern durch drei Schüsse in den Rücken ermordet.
Josef Hey 1937

Wir erinnern an die Tat, legen die Zusammenhänge offen und beantworten die Fragen des Enkels von Josef Hey, Bernd Soostmeyer aus Kleinburg, Ontario, Kanada.
Bernd Soostmeyer, der hier mit seiner Frau Gisela zu sehen ist, nahm zuerst schriftlich und später auch telefonisch Kontakt zu ratingen-homberg.de auf und wir freuen uns, dass wir ihm weiter helfen konnten. Mit der tätigen Hilfe der netten Frau Klug vom Stadtarchiv Mettmann fanden wir rasch die gesuchten Dokumente. So konnten wir Bernd Soostmeyer, der ansonsten nach seiner Auswanderung 1962, also mit 20 Jahren, in Kanada sein Glück gefunden hat, eine bedeutende Lücke in der Kenntnis seiner Familiengeschichte schließen helfen.
Aus einer schriftlichen Zeugenaussage, die vielleicht vom damaligen Dorfwachtmeister stammt, ergibt sich ein klares Bild von Tod seines Großvaters:
"Heute morgen gegen 7.30 Uhr wurde vor dem Tor des Hofes Bellscheidt der Arbeiter Josef Hei aus Düsseldorf, Hermanstr. 60 (z. Zt. wohnhaft In Homberg Nr. 27n) rücklings erschossen. Es ist nicht anders anzunehmen, daß der genannte von Ausländern, die auf dem Hof Bellscheidt beim Plündern waren, durch drei Schüsse getötet wurde. Hei hat etwa gegen sieben Uhr seine Wohnung in Homberg verlassen um sich in einem Gehöft etwas Milch zu besorgen. Die Hausbewohner, die während des Plündern des Gehöftes Bellscheidt festgehalten wurden, hörten drei Schüsse und fanden auch Hei unmittelbar danach tot vor dem Tor vor. Das mitgeführte Fahrrad wurde von den Plünderern mitgenommen. Augenzeugen sind keine vorhanden."

Viele unserer Einwohner wissen es noch genau. Homberg gehört erst seit der Gebietsreform 1975 zu Ratingen. Im Jahre 1945 gehörten Homberg, Maiersberg und Bracht zum Bürgermeisteramt Hubbelrath. Deshalb beziehen sich die gefundenen Dokumente auch auf Amtshandlungen in eben diesem Amt Hubbelrath. Warum sie dann im Stadtarchiv Mettmann gelandet sind, weiß heute anscheinend niemand mehr zu sagen.
In den "Mitteilungen eines Todesfalles, über welchen eine amtliche Ermittlung stattgefunden hat" heißt es ergänzend unter "Todesursache": "Hey wurde am 1.5.1945 morgens um 7.30 Uhr auf dem Gute Bellscheidt in Homberg durch plündernde Russen erschossen." Dabei muss es sich also um in Freiheit gelangte russische Zwangsarbeiter gehandelt haben, damals Fremdarbeiter genannt, die eine Woche vor dem offiziellen Ende des Zweiten Weltkrieges versuchten, ihre Haut zu retten und dabei offenbar nicht zimperlich in der Wahl ihrer Mittel waren. Solche Zwangsarbeiter, die von den Nazi-Truppen zu Zehntausenden aus Polen und Russland verschleppt worden waren, wurden häufig "im Reich" als kostenlose Helfer in der Landwirtschaft eingesetzt und waren daher im ländlichen Bereich häufiger zu finden als in den Städten.
Alle Dokumente finden Sie hier.
Josef Hey hat seine letzte Ruhestätte auf dem Homberger Friedhof in einer Reihe mit anderen Opfern der Kriegs- und Nachkriegszeit gefunden.








