Die Wählervereinigung „Ratinger Linke“ hat den nächsten Schritt zu ihrer Abschaffung vollzogen. Mit Schreiben vom 24.03.2010 (pdf) wurde Ratingens linkem Urgestein, dem gewählten Sprecher der Partei Die Linke für Ratingen und Heiligenhaus, Willi Seidel, sein Ausschluss aus der Wählervereinigung „Ratinger Linke“ mitgeteilt.
Wie in totalitären Systemen üblich wurde auch diese Entscheidung selbstverständlich wieder einstimmig vom fünfköpfigen Sprecherrat der RL gefällt. Besonders bedenkenswert ist die sogenannte Begründung dieses Schrittes:
"Die Wählervereinigung duldet kein wählervereinigungschädigendes Verhalten. Ebenso können wir nicht tolerieren, dass Sie in der Öffentlichkeit Amts- & Mandatsträger diskreditieren und diese in Verruf bringen."
Eine wirkliche Begründung, nämlich wann und wodurch der so Angeklagte denn die hohen Würdenträger in Verruf gebracht haben soll und wer damit eigentlich im Einzelnen gemeint ist, bleibt der Sprecherrat schuldig.
Die Scheinbegründung wird noch durch die folgende Behauptung verschärft:
"Von Seiten der Ratinger Linken haben wir Ihnen mehrfach klärende Gespräche angeboten, die wurden von Ihnen abgelehnt. Dieses Verhalten können wir nicht nachvollziehen."
Willi Seidel weist diese Behauptung weit von sich. Zwar war er der erste und wie immer lauteste Kritiker der Umstände um die Nominierung der völlig unbekannten Alevitenchefin Sadiye Cemaloglu für die Kommunalwahl, aber ein klärendes Gespräch um diese Zusammenhänge habe ihm niemals jemand angeboten, schon gar nicht der für das Ganze Verantwortliche, Ratsherr Manni Evers.
Der Brief an Willi Seidel wurde vom Kassierer der RL verfasst und an diesen Kassierer soll sich Seidel auch wenden, falls er auf die Idee kommt, Widerspruch einzulegen. Wer ist dieser Kassierer und warum verfasst er den Brief, der Willi Seidel kaum kennt und der dessen Verdienste um die Ratinger Kommunalpolitik nicht beurteilen kann?
Marc Schönenbach, ein junger Mann von knapp 30 Jahren erschien nach der Kommunalwahl einige Male bei den frisch anberaumten Fraktionssitzungen der RL und hörte fast ausschließlich zu. Von ihm wusste wie immer niemand etwas Näheres außer Manni Evers, doch was, das hielt er für sich.
Zu seiner Wahl zum Kassierer, die laut Satzung als einzige geheim durchgeführt werden muss, ließ er sich folgendermaßen ein: Er sei kürzlich „der Liebe wegen“ nach Ratingen gezogen, früher sei er Juso-Vorsitzender, also SPD-Funktionär in Bensberg bei Köln gewesen und beruflich sei er Kaufmann, der in Alleinstellung die deutsche Niederlassung eines international tätigen Unternehmens leite. Außer diesen dürren Angaben und seiner Adresse weiß wohl kaum jemand etwas über diesen Mann. Niemand in der „Ratinger Linken“ ist auf die Idee gekommen, seine Angaben zu prüfen. Dennoch wunderte sich keiner darüber, dass er sich an die RL herandrängte und verblüffend rasch einen zentralen Posten einnehmen wollte. Nettsein und Jungsein reicht der vergreisten RL ja bekanntlich schon, um Neulinge zu hofieren.
Die Satzung der „Ratinger Linke“ besagt in § 7.4 allerdings, dass die Wählervereinigung nur von zwei Mitgliedern des Sprecherrates vertreten werden darf. Daher ist der Rausschmiss rechtlich ohnehin wirkungslos, denn von einem allein vertretungsberechtigten Kassierer sagt die Satzung nichts.
Man kann zu Willi Seidel stehen, wie man will, aber einen alten Fahrensmann der Linken im Kreis Mettmann, einen amtierenden Parteisprecher, verdienstvollen ehemaligen Ratsherrn und Kreistagsabgeordneten so abzuservieren…nein, das hat Willi Seidel nicht verdient. Und es ist zu hoffen, dass dies den Verantwortlichen möglichst rasch auf die Füße fällt.
Mitschuld trägt der Kandidat der Partei Die Linke für die Landtagswahl am 09. Mai 2010, Dr. Karl Mühlsiepen. Er ist ebenfalls Mitglied des Sprecherrates der RL und trägt deshalb Mitverantwortung an diesem schändlichen Frevel gegen den verdientesten Genossen, den die Linke in Ratingen überhaupt aufzuweisen hat. Wer soll, wer wird denn einen solchen Mann wählen?








