Ein Bürgerverein muss her! Endlich!
So lautet das Fazit der x-ten Bürgerversammlung zur Zukunft der Gemeindezentren in Homberg-Süd, zu der die vier Parteien CDU, FDP, SPD und Grüne geladen hatten. Die Bürgermeisterpartei, die Bürgerunion, war auch diesmal nicht dazu gebeten worden. Dafür waren aber drei Fraktionsvorsitzende und zwei Landtagskandidaten anwesend.
Man war sich gut 100 Minuten lang einig, dass die Verwaltungsvorlage 374/2009 die gültige Beschlusslage des Rates nicht berücksichtige, auch vollendete Tatsachen vor der Erstellung eines Nutzungskonzeptes schaffen wolle und somit eine "Frechheit" sei; man betonte, dass man gegen einen Verkauf der Gemeindezentren an die "Lebenshilfe" sei, freilich ohne Kritik an dieser Organisation üben zu wollen.
Erich Lomoth, der AWO-Vorsitzende für Ratingen, stellte ein Konzept vor, nachdem seine Organisation Träger der Gemeindezentren werden könnte, ohne dass sie gleich verkauft werden sollten. Damit fand er lange nach seiner steinigen politischen Karriere für die SPD in Homberg doch nochmal einigen Zuspruch.
Ein Armutszeugnis stellten sich die veranstaltenden Politiker und ihre zugehörige Ratinger Prominenz aus, als die Zuhörer aufgefordert wurden, ihnen Druck zu machen, damit man ihnen nicht vorhalten könne, in Homberg bestehe ja gar kein wirklicher Bedarf. Christian Wiglow (SPD) gab sich kämpferisch. Das muss er als Fraktionsvorsitzender einer Partei in Opposition zur Bürgermeisterpartei (BU). Wie glaubwürdig das war, wird sich erweisen müssen. Ewald Vielhaus (CDU) erklärte, er sei zwar der CDU-Fraktionsvorsitzende, aber wie seine Fraktion abstimme, könne er nicht wissen. Hannelore Hanning gab als FDP-Fraktionsvorsitzende zum Besten, sie stehe nur einer kleinen Fraktion vor und müsse sich jeweils Mehrheiten suchen. So lavierte sich jede/r der drei Fraktionsvorsitzenden mehr oder weniger deutlich aus einer Zusage für die Homberger heraus und die Veranstaltung erwies sich zum wiederholten Male als ein Schaulaufen der vier Homberger Ratsmitglieder nebst Ratinger Prominenz im direkten Vorfeld der Landtagswahlen.
Das Ganze gipfelte dann in dem Appell, die Homberger sollten doch dringend einen Bürgerverein als Förderverein für die Gemeindezentren gründen. Dabei schauten viele den betagten Vorsitzenden des Siedlervereins, Günter Ziebell (CDU), an, der auch fleißig zustimmend nickte. Denn er ist es, der sich seit vier Jahren für den Erhalt der Gemeindezentren engagiert und dafür sogar von seiner eigenen Homberger Partei abgestraft wurde. Man stellte ihn nicht einmal mehr als sachkundigen Bürger für den Bezirksausschuss auf. Und als er im vergangenen Jahr schon die zweite Bürgerinitiative zur Erhaltung der Gemeindezentren gründete, da wehte ihm ein kräftiger Wind entgegen. Die Parteien schickten verdeckt Mitglieder als U-Boote in die Versammlungen der Bürgerinitiative, um deren Arbeit zu be- und verhindern. Die Aktivitäten der BI wurden von den Parteien totgeschwiegen und waren dennoch erfolgreich. Als die Bürgerinitiative endlich ihr Ziel erreicht hatte und die Gemeindezentren von der Stadt gekauft werden sollten, verhinderten diese Kräfte, dass sie sich als Bürgerverein gründete. Damit aber war die Arbeit der BI erledigt. Und wenn die Rheinische Post kommentiert: "Es ist höchste Zeit für die Gründung eines Fördervereins, der als Mittler zwischen Bürgern und Stadt fungiert und den Verwaltern die nächste Vorlage diktiert. Es bleibt nur die Frage, warum es den nicht schon lange gibt?", dann ist die Antwort ganz einfach: weil die Parteien ihn verhindert haben, denn in Zeiten des vergangenen Kommunalwahlkampfes war wichtig sich als Kandidat oder besonders als Kandidatin zu profilieren. Ein Bürgerverein hätte da nur gestört.
Aber auch ein anderer Gesichtspunkt spielt noch eine Rolle. Die Mitglieder des Siedlervereins, die sich als erste in Homberg-Süd niederließen und die stets eine Kernzelle des bürgerlichen Engagements waren, sind heute hochbetagte Herrschaften und da ist der kämpferische Aspekt nicht mehr so ausgeprägt vorhanden. Gerade die Daseinsvorsorge in dem am schnellsten alternden Stadtteil Ratingens scheitert womöglich an eben dieser Alterstruktur. Denn man geht zwar gern auf Bürgerversammlungen und sagt dort stets gleich oder ähnlich bleibende Sätze der Entrüstung und der Beschwerde, aber es sind auch liebgewordene Veranstaltungen im gesellschaftlichen Kalender des Dorfes. Die ganz überwiegend grau- und weißhaarige Versammlung müsste den Beweis noch antreten, dass sie einen Bürgerverein auf gleicher Augenhöhe mit einer doch leidlich modernen Stadtverwaltung in heutiger Zeit auf die Beine stellen kann.








